Kamera aus, Mikro aus, der Chat bleibt still: Wer schon einmal vor einer Wand aus schwarzen Kacheln präsentiert hat, kennt dieses Gefühl. Man redet, klickt weiter und weiß nicht, ob überhaupt noch jemand zuhört. Gerade bei Online-Vorträgen mit vielen Teilnehmer:innen fehlt die direkte Rückmeldung, die man im Raum ganz selbstverständlich bekommt.
Ich halte regelmäßig Vorträge und Workshops. Mein Wunsch war ein Werkzeug, mit dem das Publikum nicht nur zuschaut, sondern mitmacht: abstimmen, Fragen stellen, Ideen sammeln. Und zwar ohne Konto, ohne App und ohne dass ich Daten an Dritte weitergeben muss. Daraus ist TakePart entstanden: eine Web-App für interaktive Präsentationen, die ich selbst hoste und als Open Source veröffentlicht habe.
Mitmachen in zehn Sekunden
Der Einstieg muss so einfach sein, dass niemand darüber nachdenkt. Auf der Titelfolie stehen eine Adresse, ein sechsstelliger Code und ein QR-Code. Wer ihn scannt, ist sofort dabei. Eine Anmeldung gibt es nicht, auch keinen Namen – außer bei Fragen und beim Quiz, wo er sinnvoll ist.
Ich selbst steuere alles über ein Steuerpult, das auch auf dem Handy funktioniert. Die Präsentation läuft in einem eigenen Fenster, das ich im Meeting teile. Dort erscheinen die Ergebnisse live, groß und gut lesbar. Ob ich sie sofort zeige oder erst nach der Abstimmung, entscheide ich per Klick.
TakePart kennt zwölf Arten von Folien:
- Abstimmungen: Auswahl mit einer oder mehreren Antworten, Skalen, Rankings und Wortwolken
- Quiz: mit Zeitlimit, Punkten für schnelle Antworten und einer Rangliste
- Sammeln: offene Antworten, Brainstorming mit Upvotes und eine gemeinsame Pinnwand
- Fragen & Feedback: Q&A mit Freigabe durch mich, einzelne Fragen groß eingeblendet, und eine Sterne-Bewertung am Ende
Mein Lieblingsfeature: Satz vervollständigen
Eine Übung hat mich von Anfang an begleitet. Ich gebe einen Satzanfang vor, zum Beispiel: „Ein Admin öffnet die Tür des Serverraums und sieht, dass …“. Alle tippen das Wort ein, das ihrer Meinung nach am wahrscheinlichsten als Nächstes kommt. Dann blende ich die Antworten als Wortwolke ein, und das häufigste Wort wird an den Satz angehängt. Runde für Runde entsteht so ein Satz, den der ganze Raum gemeinsam geschrieben hat.
Das lockert auf und zeigt nebenbei ziemlich anschaulich, wie Sprachmodelle arbeiten: Sie wählen Wort für Wort das wahrscheinlichste nächste Wort. In KI-Workshops ist das für mich der perfekte Einstieg. Damit es auf dem Beamer auch gut aussieht, fliegt das gewählte Wort aus der Wolke an seinen Platz im Satz.
Das technologische Herzstück
Die Web-App basiert auf React, der Server auf Node.js mit Fastify. Alle Ansichten sind über WebSockets live verbunden. Damit 300 Personen gleichzeitig abstimmen können, ohne dass der Server ins Schwitzen kommt, bündelt er Änderungen und verschickt höchstens viermal pro Sekunde ein Update. Für das Publikum fühlt sich das trotzdem sofort an.
Eine Entscheidung war mir besonders wichtig: Der komplette Zustand eines Vortrags liegt in der Datenbank und nicht im Arbeitsspeicher. Startet der Server neu, etwa durch ein Update, verbinden sich alle Geräte automatisch neu und machen genau dort weiter, wo sie waren. Kein Vortrag hängt davon ab, dass ein Prozess nicht abstürzt.
Gehostet ist TakePart wie TheraPlanner bei Uberspace in Deutschland. Jede Änderung, die ich in GitHub einspiele, wird geprüft, gebaut und automatisch ausgerollt. Für Präsentationen mit Kundenbezug kann ich außerdem ein Branding hinterlegen: Logo, Akzentfarbe und Diagrammfarbe werden dann auf allen Ansichten übernommen.
Datenschutz und Sicherheit
Wer an einem Vortrag teilnimmt, sollte dafür keine Daten hergeben müssen. TakePart kommt ohne Tracking, ohne externe Schriften und ohne Inhalte von fremden Servern aus. Teilnehmer:innen werden nur über ein zufälliges Kürzel in ihrem Browser wiedererkannt, damit jede Person einmal abstimmt.
Für meinen eigenen Zugang nutze ich Passkeys statt Passwörtern. Die Anmeldung funktioniert per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Geräte-PIN. Dazu kommen Schutzmechanismen gegen Missbrauch, etwa eine Sperre, wenn jemand versucht, Beitritts-Codes zu erraten.
Open Source und in einer Minute startklar
TakePart steht unter der AGPL-3.0 frei auf GitHub. Wer es selbst betreiben möchte, braucht nur Docker. Ein einziger Befehl startet die App samt Datenbank. Beim ersten Start legt man einen Passkey an und kann direkt einen Demo-Foliensatz laden, der alle Funktionen zeigt.
In Zahlen
Folientypen
Teilnehmer:innen gleichzeitig
Konten fürs Publikum
Befehl bis zum Start
Fazit – Vorträge, bei denen alle mitmachen
Mit TakePart wollte ich die Rückmeldung zurückholen, die online sonst fehlt. Statt in ein stummes Raster aus Kacheln zu sprechen, sehe ich nach wenigen Minuten, wo das Publikum steht, was es interessiert und welche Fragen offen sind. Wer es ausprobieren möchte: Die Live-Version läuft unter takepart.philipp-kasten.de, der Code liegt offen auf GitHub. Ich freue mich über Feedback und Ideen für neue Folientypen.

